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Samstag 29.09.2018

Abfahrt 08.30 | Ankunft 13.30 


Exkursionsthemen:

  • 3 Wildnis-Lebensraumtypen
  • natürlicher Wasserhaushalt in Moor und Wald
  • stabiles, standortangepasstes Waldökosystem mit natürlicher Dynamik (Urwald)
  • Moorschutz
  • extensive Grünlandpufferzonen
  • Amphibienschutz 

  • Stiftung Naturschutz Schleswig Holstein
  • Stiftung Naturschutz Schleswig Holstein
Stiftung Naturschutz Schleswig Holstein
©Stiftung Naturschutz Schleswig Holstein

E6 Stodthagen – der neue Urwald vor den Toren Kiels

Wilder Wald – Wildes Moor – Wilde Weide 

Von den 3500 Hektar Wald, die die Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein besitzt, haben sich die 150 Hektar des Stodthagener Waldes seit seinem Ankauf im September 2000 sicherlich am meisten verändert: Aus dem tief entwässerten, forstwirtschaftlich genutzten Buchenwald mit starkem standortfremden Nadelholzanteil ist ein Naturwald mit nassen Senken geworden, in dem abgestorbene Baumgerippe eine märchenhafte, fast unheimliche Szenerie bilden. Die direkte räumliche Nähe mit dem Kaltenhofer Moor und die angrenzenden „Wilden Weiden“ der Stiftung Naturschutz mit ihren Galloways und Exmoorponies, die für den Naturschutz fressen, und die zahlreichen angelegten Amphibienteiche, in denen Laubfrosch und Rotbauchunke im Frühjahr um die Wette rufen, verbinden sich zu einem ungewöhnlich reizvollen Ensemble ganz in der Nähe der Großstadt.

Die Tour führt auf Waldwegen vorbei an trockenen, mit Buchen bestandenen Kuppen und an vernässten Senken, in denen sich mittelfristig eine Erlen-/Eschen-Bruchwaldgesellschaft etablieren wird. Hier haben sich Amphibien und etliche Wasservögel etabliert. Kanadagänse, die das Gebiet in großen Mengen annehmen, waren ursprünglich nicht eingeladen. Sehr erfreulich ist dagegen, dass der Kranich hier wieder brütet. Der Seeadler nutzt die die Wasserflächen in Moor und Wald als Jagdrevier. Schwarz-und Buntspecht schaffen Höhlen im stehenden Totholz, davon profitieren Hohltaube, Fledermäuse und andere Baumhöhlennutzer. Sumpfbewohner wie Schwertlilie, Froschlöffel, oder Sumpfbaldrian breiten sich aus.

Es wird in erster Linie auf eine natürliche Selbstentwicklung gesetzt, dabei spielen Pioniergehölze wie Holunder, Eberesche, Ahorn eine Rolle. Diese Waldstadien gibt es in der Forstwirtschaft mit Pflanzungen der Zielbaumarten kaum noch. Totholz wird nicht entfernt, ein Zusammenbrechen alter Bäume ist erwünscht und ist Kern einer natürlichen Waldentwicklung.

Aus Verkehrssicherungsgründen wurden einige Waldwege gesperrt, andere dagegen neu angelegt. Das mit der Gemeinde abgestimmte Wegekonzept ermöglicht faszinierende Rundgänge.
Weiter geht es im angrenzenden NSG Kaltenhofer Moor: Hier gibt es Schwingrasen zu erleben – eine heutzutage seltene Erfahrung. Erlen stehen am Moorrand im tiefen Wasser, auf den höher gelegenen Moorflächen macht sich die Birke breit. Ein ehemaliger Torfstich ist zu einem idyllischen Moorweiher geworden.
Zurück geht es über an den Wald angrenzendes extensives Grünland. Die ehemaligen Äcker wurden als Pufferflächen angekauft und in „Wilde Weiden“ umgewandelt, auf denen ganzjährig alloways und Exmoorponies grasen. Dazu wurden viele Amphibienteiche angelegt und Laubfrosch- bzw. Rotbauchunken-Populationen gezüchtet. Im Frühjahr, wenn die Stiftung Naturschutz zu ihren abendlichen Froschkonzerten einlädt und das ganze Gebiet von den Rufen der nassen Sänger widerhallt, verzaubert dieses Gebiet Laien ebenso wie ausgewiesene Experten.


Ablauf 

  • 08.30 Uhr Abfahrt Kiel, ZOB Interimshaltestelle (s. Link)
  • 09.10 Uhr Begrüßung am Kaltenhofener Moor 
  • 09.20 Uhr Führung durch das Kaltenhofener Moor 
  • 12.15 Uhr Rückkehr zum Parkplatz, Mittagsimbiss 
  • 13.00 Uhr Rückfahrt 
  • ca. 13.30 Uhr Ankunft Kiel, ZOB Interimshaltestelle 

Leitung 

Hauke Drews, Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein 

Miriam Kimmel, Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein 

Kosten 

55, 00 € inkl. Mittagsimbiss 

Hinweise 

Festes Schuhwerk und warme, wetterfeste Kleidung sowie ggf. Sonnenschutz werden dringend empfohlen. 


Hintergrundinformation:

Stiftungsland Stodthagener Wald/Kaltenhofer Moor

Ankauf: September 2000 durch die Stiftung Naturschutz
Größe: 185 Hektar Stiftungsland, davon 150 ha Wald
Das Gebiet liegt im europaweiten Schutzgebiet „Natura 2000“ und liegt im Wasserschongebiet Kiel Nordwest. Das angrenzende Kaltenhofer Moor ist als Naturschutzgebiet ausgewiesen.

Ausgangslage:
Das ehemalige Forstgut weist noch einen alten Buchenbestand auf. In vielen Teilbereichen (ca. 40% der Fläche) standen allerdings flächendeckend standortfremde Nadelbäume: Sitka- und Rotfichten, Douglasien, Kiefern, Lärchen. Der Wald war tief greifend entwässert.

Maßnahmen:
Entwässerungsgräben wurden verschlossen, so dass große Teile der natürlichen Senken im Wald zumindest zeitweise wieder Wasser führen, und der Abfluss aus dem Hochmoorkörper verringert werden konnte.
Standortfremde und vor allem in ihrer Standfestigkeit gefährdete Nadelholzbestände wurden entfernt und teilweise umgebaut.
Große, prägende Laubbäume in Nadelholzbeständen wurden nach und nach freigestellt.

91 Wälder, knapp 50 % der Waldfläche der Stiftung Naturschutz mit einer Größe von 1.600 Hektar sind aktuell als Naturwald ausgewiesen
Die Waldfläche in Schleswig-Holstein beträgt rund 173.000 Hektar, davon sind rund 5.600 Hektar - oder 3,2% - als Naturwald ausgewiesen.

 

Weitere Informationen

https://www.stiftungsland.de

https://www.umweltdaten.landsh.de/